Welt-Down-Syndrom-Tag 2019

21.03.2019

 

Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag! 

 

Was wir als Familie jeden Tag feiern, seht ihr auf unserem Instagram-Kanal und auf Facebook ja regelmäßig. Im hier verlinkten Blogbeitrag könnt ihr nachlesen, was ich vor einem Jahr dazu in die Tasten gehauen habe. 

 

Auf gesellschaftlicher Ebene gibt es weniger Grund zu feiern. Wir sind 10 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention meilenweit davon entfernt, den Stand, den Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft erreicht haben, feiern zu können.

 

Menschen mit Behinderung werden immer noch derart vielschichtig diskriminiert.

 

Ihnen wird verwehrt, eigenständig und nach ihrem Befinden Lebensentscheidungen zu treffen.


Sie haben nicht die Möglichkeit, ihren Beruf nach ihrem Interesse und ihrem Talent zu wählen.

 

Sie verdienen Löhne, die weit vom Mindestlohn entfern sind. Und dürfen keine Ersparnisse zur Seite legen.

 

Menschen mit Behinderung dürfen nicht selbst entscheiden, mit wem sie ihren Alltag verbringen.

 

Menschen mit Behinderung wird die Teilhabe an der Gesellschaft, am - für uns Privilegierte - alltäglichen Leben, durch institutionelle und strukturelle Diskriminierung verwehrt.

 

Oder wo erlebt ihr die 13 % unserer Bevölkerung, die eine Behinderung haben? In eurem Freundeskreis? Im Kollegium? Im Café in der Stadt? Beim Feiern im Club? Online in den sozialen Medien?

 

Menschen mit Down-Syndrom kennen wir aus dem Biounterricht, aus diversen Werbekampagnen für soziale Projekte und aus dem ein oder anderen Film- oder Fernsehbeitrag. 

 

Den Alltag teilen die wenigsten Menschen mit ihnen. Und es sieht so aus, als würde sich das so schnell nicht ändern.

 

Der pränatale Bluttest aufs Down-Syndrom wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bald von den Krankenkassen übernommen und somit Teil der regulären Voruntersuchung.

 

Im Jahr 2019 ist man nicht daran interessiert, dafür zu sorgen, dass Menschen mit Down-Syndrom ein gleichberechtigtes Leben führen können.

 

Sondern daran, dafür zu sorgen, dass es sie bald gar nicht mehr gibt. Weil sie rechtzeitig am Aufdieweltkommen gehindert werden.

 

Das hier soll keine Kritik an Schwangerschaftsabbrüchen generell sein. Aber daran, seit Jahren ein Bild zu erzeugen, das das Down-Syndrom als etwas besser zu vermeidendes darstellt.

 

Denn genau das ist der Fall, wenn der Bluttest aufs Down-Syndrom zur Kassenleistung wird und Ärzt*innen ihn noch unsensibler als sowieso oft schon in verhohlenen Nebensätzen Schwangeren in der Regeluntersuchung anbieten. Wie Vitamintabletten.

 

9 von 10 Frauen bzw. Elternpaaren entscheiden sich schon jetzt bei der Diagnose Down-Syndrom für einen Schwangerschaftsabbruch.

 

Dabei sind nur weniger als 5 % der Behinderungen überhaupt angeboren. Der große Rest passiert während der Geburt oder im späteren Leben. Es kann uns also alle betreffen.

 

Gründe dafür sind vor allem Unkenntnis und Angst. Und gesellschaftlicher Druck durch die Annahme, dass es ja schon einen guten Grund dafür geben wird, wenn extra so ein Test existiert, um sich frühzeitig gegen das Austragen des Kindes entscheiden zu können.

 

Was ist das für ein Zeichen für Menschen mit Down-Syndrom? Dass wir in einer Welt leben, in der unendlich viel Geld investiert wird, um Tests zu entwickeln und dann auch noch durch unser aller Krankenkassenbeiträge auf den Markt zu bringen, bloß um Eltern rechtzeitig die Möglichkeit zu geben, sich gegen ihr Ungeborenes mit Down-Syndrom zu entscheiden?

 

Wäre es nicht sinnvoller und menschlicher, all diese Gelder in Maßnahmen zu investieren, die Familien nach der Diagnose Down-Syndrom und in den Jahren danach bestmöglich unterstützen?

 

Damit sie sich nicht kräftezehrend für den Rest ihres Lebens durch unzählige bürokratische, politische und gesellschaftliche Barrieren kämpfen müssen, nur bei dem Versuch, ihrem Kind ein Leben zu ermöglichen, das nicht durch Separation und Diskriminierung determiniert ist.

 

Wir tun das weiterhin. Weil wir nicht gut im Aufgeben sind. Und weil Menschen mit Down-Syndrom es so sehr verdient haben. So sehr, wie jeder andere Mensch auch. 

 

Und wir tun das, weil wir nicht wollen, dass sich weiterhin Menschen mit Down-Syndrom und deren Familien dafür rechtfertigen müssen, dass sie auf der Welt sind.

 

Es gibt viel zu tun.

Für nichts anderes würde ich lieber kämpfen als für den Mann da oben auf dem Bild.

 

 

Danke fürs Lesen.

Happy World-Down-Syndrome-Day!

 

 

Tabea

 

 

 

 

 

 

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